Geschichte des Freiwilligenzentrums

Das Freiwilligenzentrum (FWZ) Salzburg wurde im Jahr 1999 von Akzente Salzburg/Verein Salzburger Jugendinitiativen als Freiwilligen- und Hobbybörse gegründet.

Von 2003 bis 2009 wurde „Hilfe&Hobby“ von Akzente Salzburg in Kooperation mit der Caritas Salzburg weitergeführt.

Die Freiwilligenbörse wurde im Jahr 2009 unter dem neuen Namen „Freiwilligenzentrum Salzburg“ von der Caritas Salzburg übernommen. Das FWZ wurde von 2009 – 2015 als eine Einrichtung der Caritas mit finanzieller Unterstützung durch das Land Salzburg geführt.

Seit Januar 2016 ist das Freiwilligenzentrum Salzburg in Trägerschaft der Caritas eine Kooperation von Caritasverband der ED Salzburg, Diakoniewerk Salzburg, Hilfswerk Salzburg, Land Salzburg und Samariterbund Salzburg.

Rückblick auf 15 Jahre Freiwilligenzentrum Salzburg unter der Leitung von Ingrid Ebner - Interview im März 2018

   Seit Mitte März ist Dagmar Baumgartner für die Leitung des Vereins Freiwilligenzentrum Salzburg zuständig. Frau Baumgartner studierte Kommunikationswissenschaften, absolvierte Ausbildungen im Bereich Systemisches Management und besuchte Fortbildungen zu diversen Moderationstechniken und -methoden. Sie hat jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung und war unter anderem auch Initiatorin des Café Dienstag der Lebenshilfe Salzburg. Baumgartner war rund zehn Jahre im Bildungsmanagement und im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit an der Universität Salzburg tätig und zuletzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen beschäftigt. Als selbständige Prozessbegleiterin und Moderatorin ist sie zusätzlich im Bereich der Organisations-, Gemeinde- und Regionalentwicklung tätig (http://www.bepart.cc).

Die neue Leiterin des FWZ hat zu Beginn ihrer Tätigkeit natürlich sehr viele Fragen, unter anderem zur Geschichte des Freiwilligenzentrums Salzburg. In einem Interview mit Ingrid Ebner, die von 2003 bis März 2018 das FWZ leitete, sollen diese Fragen geklärt werden:

Dagmar Baumgartner: Seit wann gibt es diese Stelle in Salzburg?

Ingrid Ebner: Akzente Salzburg, der Verein Salzburger Jugendinitiativen, hatte im Jahr 1999  - im Vorfeld des „Internationalen Freiwilligenjahres 2000“- die Idee, eine Freizeitbörse zu gründen, so entstand „Hilfe&Hobby“, die Freiwilligen – und Hobbybörse Salzburg.

Ich übernahm im März 2003 die Leitung von „Hilfe&Hobby“, die Stelle wurde von 2003 bis 2009 in Kooperation mit der Caritas Salzburg geführt.

Dagmar Baumgartner: Gab es ähnliche Einrichtungen auch schon in anderen österreichischen Bundesländern?

Ingrid Ebner: Ja, das erste Freiwilligenzentrum wurde 1998 in Graz gegründet, dann folgten Salzburg, Wien und Tirol. Ich erinnere mich noch an die Gründung der IGFÖ, der Interessensgemeinschaft der Freiwilligenzentren Österreichs. Sie fand, so sagen es die Annalen, am 7. Oktober 2003 bei einem Treffen in Salzburg statt und ihr gehörten damals diese vier Freiwilligenzentren als Mitglieder an. Im Laufe der Zeit ist die IGFÖ natürlich etwas gewachsen, wobei es Freiwilligenzentren nach wie vor nicht in allen Bundesländern gibt und Graz nach einigen Jahren einer sehr ambitionierten Arbeit leider geschlossen wurde. Die aktuellen Mitglieder findet man übrigens auf der Website http://www.freiwilligenzentrum.at

Die IGFÖ veranstaltet eine jährliche Tagung, die mit jeweils 70 bis 90 TeilnehmerInnen aus ganz Österreich immer gut besucht ist. Viermal, also in den Jahren 2005, 2009, 2013 und zuletzt 2017 fand die Tagung in Salzburg statt, das war für mich immer eine besonders arbeitsintensive Zeit.

Dagmar Baumgartner: Langweilig war es aber sonst vermutlich auch nicht?

Ingrid Ebner: Nein, diese Gefahr bestand nie, dazu ist der Engagement Bereich viel zu umfassend, es gilt auch, Schwerpunkte zu setzen. Ich begann meine Arbeit auch nicht beim Nullpunkt, sondern übernahm das bereits bestehende Konzept, das es für Hilfe&Hobby gab. Im Mittelpunkt standen das Gewinnen von Freiwilligen, die Beratung und Vermittlung von Freiwilligen, das Kennenlernen der Einrichtungen und der regelmäßige Austausch sowohl mit den Freiwilligen wie mit den Ansprechpersonen in den Einrichtungen.

Eine Besonderheit von Hilfe&Hobby war, dass Freiwillige nicht nur an Einrichtungen im Sozialbereich, sondern im Sinne der organisierten unbezahlten Nachbarschaftshilfe auch an Privatpersonen vermittelt wurden. Dafür war eine sehr genaue Abklärung der Hilfsansuchen nötig und dann vor allem die gute Begleitung der Freiwilligen, die im Privatbereich im Einsatz waren. Diese Schiene der Vermittlung von Freiwilligen gab es bis ins Jahr 2015.

Dagmar Baumgartner: Was haben da Freiwillige im Privatbereich alles übernommen?

Ingrid Ebner: Es gab viele Anfragen um Besuchs- und Begleitdienste für SeniorInnen, diese Anfragen werden mittlerweile durch wesentlich mehr organisierte Dienste abgedeckt als in den ersten Jahren meiner Tätigkeit. Und für die Lernhilfe für Kinder und Jugendliche kamen viele Ansuchen herein. Der größte Bereich aber wurde die Deutschlernhilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, also für AsylwerberInnen oder Menschen mit Migrationshintergrund. Und erfreulicherweise meldeten sich dafür auch immer viele Freiwillige, die Deutschunterricht oder Deutschkonversation anbieten konnten.

Dazu gehörte auch die wöchentliche „Deutschkonversation für AsylwerberInnen und Migrantinnen“, für die ich eine pensionierte Deutschlehrerin gewinnen konnte, die dann diese Gruppe von November 2004 bis Sommer 2011 leitete.

Die Vermittlung von Freiwilligen in den Privatbereich umfasste natürlich vieles, von der PC-Hilfe bis zu einfacher handwerklicher Hilfe. Die Ansuchen wurden von diversen Sozialeinrichtungen an Hilfe&Hobby gestellt und sollten Menschen zugute kommen, die sich bezahlte Hilfe nicht oder nicht so einfach leisten konnten.

Dagmar Baumgartner: Worin bestand eigentlich das Angebot der Hobbybörse?

Ingrid Ebner: Die Hobbybörse sollte Menschen, die Gleichgesinnte zur Ausübung eines Hobbys suchten, miteinander bekannt machen. Statt der aufwendigen Einzelvermittlung von InteressentInnen der Hobbybörse entschloss ich mich dann nach einiger Zeit zur Gründung von sog. „Interessensgruppen“. Das Konzept war ganz einfach, jede Gruppe wurde von ein oder zwei Freiwilligen geleitet. Da gab es u.a. Konversationsgruppen für Englisch, Französisch und Italienisch, eine Wandergruppe, einen Hobby-Stammtisch und eine Hobby-Kaffeehausrunde, einen Lesekreis, eine Bastelrunde, Radausflüge und Wienfahrten wurden angeboten.

Und was mich besonders freut, es sind einige Leute, die sich über diese Gruppen damals kennenlernten, bis heute miteinander in Kontakt geblieben! Die Hobbybörse bestand bis April 2009.

Im Mai 2009 wurde aus Hilfe&Hobby das Freiwilligenzentrum Salzburg, die Stelle wurde von der Caritas übernommen, natürlich mit finanzieller Förderung durch das Land Salzburg.

Im Herbst 2009 startete ich das Projekt „Salzburg liest vor“, mit Unterstützung durch das Kulturreferat des Landes und durch den Fachbeirat für Literaturvermittlung im Landeskulturbeirat, dieses Projekt wurde zu einem großen Erfolg. So konnte ich mehr als 100 Freiwillige in der Stadt Salzburg und Umgebung als VorleserInnen an Einrichtungen für SeniorInnen vermitteln.

Dagmar Baumgartner: Das Freiwilligenzentrum hatte auch regionale Stellen, wann genau war das?

Ingrid Ebner: Ja, es gab regionale Stellen, die jeweils ein Büro in den Caritaszentren hatten und zwar im Pongau, Pinzgau und Lungau.

Ihre Hauptaktivitäten waren Beratungsgespräche, Vermittlung von Freiwilligen an Einrichtungen und in den Privatbereich, sowie Einzelprojekte.

Im Lungau gab es von Sept. 2005 bis Mai 2010 eine regionale Stelle, Hilfe&Hobby Lungau, die von einer Ehrenamtlichen geleitet wurde. Ab 2011 gab es dann für rund zwei Jahre MitarbeiterInnen mit jeweils 6 – 8 bezahlten Wochenstunden in diesen drei Regionalstellen.

Dagmar Baumgartner: Gab es besondere Projekte in diesen regionalen Freiwilligenzentren?

Ingrid Ebner: Ja, das FWZ Lungau in Tamsweg engagierte sich im Sprachcafé für AsylwerberInnen, gründete ein Nähcafé für AsylwerberInnen, organisierte einen Basiskurs für interessierte Freiwillige im Rahmen des Sozialfestivals „Tu was, dann tut sich was“.

Das FWZ Pinzgau in Zell am See startete „Salzburg liest vor/Pinzgau“, davor gab es übrigens bereits ein Projekt des Caritaszentrums, das ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe organisierte.

Das FWZ Pongau in Bischofshofen organisierte das Projekt „Salzburg liest vor/Pongau“.

Dagmar Baumgartner: Gab es für dich persönlich ein Projekt, das dir ein besonderes Anliegen war?

Ingrid Ebner: Ein besonderes Projekt war für mich die Weihnachtsaktion 30-30-30 für das SOS-Clearing-House Salzburg, das unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut. Die Jugendlichen verfassten einen kurzen Brief mit einem Wunsch für ein Weihnachtsgeschenk und ich suchte SpenderInnen, die einen Wunschbrief übernahmen. Die meisten SpenderInnen kamen dabei aus der Gruppe der Freiwilligen. Es wurden jeweils 50 bis 60 Jugendliche beschenkt. Diese Aktion konnte ich von 2007 bis 2013 durchführen.

Dagmar Baumgartner: Welche Rolle spielen die Bildungsangebote?

Ingrid Ebner: Bildungsangebote, sowohl für Freiwillige wie für FreiwilligenkoordinatorInnen spielen eine große Rolle. Die Organisation von Treffen zum Erfahrungsaustausch und Workshops für Freiwillige und für FreiwilligenkoordinatorInnen sind für alle Freiwilligenzentren natürlich wichtige Schwerpunkte. Ebenso die Mitarbeit bei der Organisation von Lehrgängen, wo ich 2007 den ersten „Lehrgang für Freiwilligenkoordination“ gemeinsam mit einer Kollegin vom Diakoniewerk planen und durchführen konnte.

Seit Januar 2016 wird das FWZ in der neuen Kooperation von Land Salzburg, Caritas, Diakoniewerk, Hilfswerk und Samariterbund geführt. Seither wird übrigens auch der „Lehrgang für den freiwilligen Besuchsdienst“ über das FWZ organisiert.

Und ganz aktuell ist die Vereinsgründung, darüber wird sicher in Kürze noch mehr berichtet werden.

Dagmar Baumgartner: Was wird dir von diesen 15 Jahren besonders in Erinnerung bleiben?

Ingrid Ebner: In Summe sind das wohl vor allem „stories“, also die vielen Geschichten, die mir Freiwillige von ihren Einsätzen erzählt haben. Es gab und gibt da so viele positive Erfahrungen und Erfolgserlebnisse!

An dieser Stelle nochmals DANKE an alle Freiwilligen und DANKE an alle FreiwilligenkoordinatorInnen, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, für Ihr Engagement und auch für das Vertrauen, das Sie mir entgegengebracht haben!

Und – last but not least – gilt mein Dank auch allen, die das Freiwilligenzentrum Salzburg während dieser Jahre unterstützt haben, sowohl durch ihre Ideen zur inhaltlichen Gestaltung wie auch dafür, dass die Stelle durch diese Jahre hindurch finanziert werden konnte, was nicht ganz selbstverständlich ist, da Freiwilligenzentren in Österreich ja immer noch recht dünn gestreut sind, sprich eine Art „Nischencharakter“ haben.

Ich wünsche dir als neuer Leiterin des Freiwilligenzentrums weiterhin viele VernetzungspartnerInnen, mit denen du erfolgreich zusammenarbeiten kannst, interessante Projekte,  und einfach Begeisterung für alle Aufgaben, die neu auf dich zukommen werden!