Eine Freiwilligenkarriere - Interview mit Stefan Gaßner, Arbeiter-Samariterbund

EINE FREIWILLIGENKARRIERE -

INTERVIEW MIT STEFAN GASSNER –

ARBEITER-SAMARITER-BUND-ÖSTERREICHS, LANDESGRUPPE SALZBURG

FWZ: Herr Gaßner, Sie sind 31 Jahre alt und als Freiwilliger beim Samariterbund in der Landesgruppe Salzburg engagiert. Aus meiner Sicht bietet der Samariterbund aufgrund der vielen Schulungsangebote, für die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine gute Möglichkeit für eine Freiwilligenkarriere. Durch den Fahrtendienst, die Rettungs-, Kranken- und Behindertentransporte ist der Samariterbund ja auch optisch sehr präsent. Die Einsatzfahrzeuge der Samariter gehören hier in Salzburg zum täglichen Straßenbild.

Der Samariterbund bietet zudem Katastrophenhilfeleistungen im In- und Ausland an.

Herr Gassner, Sie können uns einiges über die Katastrophenhilfe und ihre Einsätze im Ausland erzählen.

Vorab wollte ich Sie aber fragen, wie Sie dazu gekommen sind, sich in Ihrer Freizeit ehrenamtlich zu engagieren und wie das für Sie alles begann.

Stefan Gaßner: Am Beginn stand die Jugendfeuerwehr in Rottenmann in der Steiermark, zu der ich im Alter von zwölf Jahren kam.

FWZ: Und sind Sie heute noch bei der Feuerwehr?

Stefan Gaßner: Ja, als unterstützendes Mitglied arbeite ich noch in Rottenmann mit.

Im Jahr 2009 übersiedelte ich nach Salzburg und musste dadurch meine Tätigkeiten in der Feuerwehrjugendausbildung zurücklegen. Ich suchte in Salzburg nach einer neuen Aufgabe und kam durch einen Freund dann 2010 zum Samariterbund.

FWZ: Mittlerweile haben Sie beim Samariterbund ja eine ganze Reihe von Aufgaben übernommen, welche sind das zurzeit?

Stefan Gaßner: Bei uns sind die Freiwilligen in vier großen Gruppen organisiert, die wir Freiwilligen- oder Ehrenamtlichen-Züge nennen. Diese übernehmen Aufgaben wie den Fahrtendienst, den Sie schon erwähnt haben, Sanitätsüberwachungen und mehr. Einen dieser Züge betreue ich als Kommandant Stellvertreter.

Dazu engagiere ich mich als Kommandant unseres Katastrophenhilfezuges in Salzburg und als Teamleiter der Auslandseinsatz-Einheit des Samariterbund Österreichs, dem sogenannten „Rapid Response Team“.

FWZ: Das klingt nach viel Verantwortung! Welche Schulungen haben Sie gemacht, um all diese Aufgaben übernehmen zu können?

Stefan Gaßner: Im Jahr 2010 begann ich mit der Ausbildung zum Rettungssanitäter. Aufgrund meiner Ausbildungen und Vorerfahrungen bei der Feuerwehr Rottenmann, habe ich mich sehr stark für den Bereich Katastrophenhilfe interessiert und so machte ich im Jahr 2011 die Grundausbildung für die Auslandskatastrophenhilfe. Nach meinem ersten Auslandseinsatz in Haiti, nach dem großen Erdbeben, setzte ich meine Ausbildung in Richtung Führungskompetenz fort, machte 2011 die Ausbildung zum Gruppenleiter und 2015 die Ausbildung zum Zugskommandanten. Ich besuchte auch eine Fortbildung zur notfallpsychologischen Hilfeleistung, die speziell für unsere Mitglieder in der Katastrophenhilfe eine wichtige Rolle spielt.

Wie Sie wissen, habe ich im heuer auch den Lehrgang für Freiwilligenkoordination des Freiwilligenzentrums Salzburg gemacht, der sehr spannende Themenfelder behandelte und Kontakte mit anderen FreiwilligenkoordinatorInnen ermöglichte.  Derzeit befinde ich mich in der Ausbildung zum Erste-Hilfe-Trainer und für die Zukunft plane ich die Studienrichtung der Katastrophenhilfe einzuschlagen.

FWZ: Und Sie haben nach Haiti weitere Auslandseinsätze gemacht?

Stefan Gaßner: Ja, ich war 2012 ein zweites Mal auf Haiti. Bei diesem Einsatz ging es um Projekte, zur Errichtung von Trinkwasserbrunnen und Sanitäranlagen. Auch eine zerstörte Bergklinik konnte so wiederaufgebaut werden. Im Jahr 2013 fegte der Taifun Haiyan über die Philippinen. Ich war mit dem Auslandseinsatz-Team zwei Wochen dort, mit dem Ziel, die medizinische Versorgung in einer Region sicherzustellen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an das große Hochwasser in Bosnien und Serbien im Jahr 2014? Da war ich mit dabei, als wir, seitens des Samariterbund Salzburg, mit mehreren LKWs Hilfsgüter nach Bosnien und Serbien brachten. In Bosnien konnten wir mit dem Auslandseinsatz-Team eine Schule wieder betriebsbereit machen.

FWZ: Gibt es bei diesem Auslandseinsatz-Team, dem Rapid Response Team, auch große Übungseinsätze wie etwa beim Bundesheer?

Stefan Gaßner: Wir agieren im Rahmen des europäischen Zivilschutzes, welcher Großübungen vorsieht, die abwechselnd von verschiedenen europäischen Ländern organisiert werden. Wie zum Beispiel eine Erdbeben-Rettungsübung, die heuer in Portugal stattfand, an der ich mit unserem Team teilnahm. In zehn Tagen konnten wir unsere Rettungstechniken und die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen, inklusive An- und Abreise, trainieren.

FWZ: Muss man, salopp gesagt, zuerst einmal Feuer gefangen haben, um sich für so eine Aufgabe zu entscheiden, doch einiges an Zeit zu investieren und dann auch über Jahre dabei zu bleiben? Der Trend im freiwilligen Engagement geht ja stark in die Richtung, dass Freiwillige vorzugsweise in zeitlich klar begrenzten Projekten mitarbeiten wollen und, dass eine längerfristige Bindung eher nicht so gefragt ist.

Stefan Gaßner: Der Samariterbund bietet natürlich auch Möglichkeiten für ein zeitlich begrenztes Engagement. In verschiedenen Tätigkeitsbereichen kann man innerhalb eines tollen Teams seine Fähigkeiten einbringen und somit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Zusatzausbildungen, wie der Rettungssanitäter, sind nicht zwingend erforderlich.

Um aber eine Freiwilligenkarriere einzuschlagen, muss man schon, wie Sie sagen, Feuer fangen! So kann man zum Beispiel eine Ausbildungsschiene im medizinischen Bereich oder der Katastrophenhilfe einschlagen und Verantwortung für diese Tätigkeiten übernehmen. Außerdem lernt man damit sehr viel fürs Leben.

FWZ: Und welche Rolle spielt die Anerkennung für das freiwillige Engagement?

Stefan Gaßner: Was immer gilt, ist die Dankbarkeit der Menschen zu erleben, die wir bei unseren Einsätzen erfahren. Zu sehen, dass unsere Hilfe ankommt, gibt uns Kraft, immer wieder auf ein Neues unser Bestes zu geben.

FWZ: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch wurde von Ingrid Ebner im Oktober 2017 geführt.

 

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