FreiwilligenkoordinatorInnen im Gespräch – Brigitte Leister, Diakoniewerk Salzburg

Brigitte Leister ist Freiwilligenkoordinatorin für das Sprachtraining im Freiwilligennetz, einem Angebot des Diakoniewerks im Auftrag des Landes und der Stadt Salzburg. Es bietet AsylwerberInnen und MigrantInnen die Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlernen bzw. zu vertiefen. Dabei nehmen sich Freiwillige zwei Stunden pro Woche Zeit, um mit AsylwerberInnen und Asylberechtigten Deutsch zu üben. Im Interview berichtet Brigitte Leister über die Entwicklung des Sprachtrainings und ihre Arbeit als Koordinatorin.

FWZ: Frau Leister, Sie waren maßgeblich am Aufbau des Sprachtrainings beteiligt und haben so alles von Beginn an miterlebt. Wie ist es zum Start dieses Projektes gekommen?

Brigitte Leister: Das Sprachtraining hat im Sommer 2015, als zahlreiche Menschen auf der Flucht nach Salzburg gekommen sind, in Form eines kleinen Projektes begonnen. Das Wachstum kam aber dann sehr schnell und innerhalb weniger Wochen engagierten sich um die 50 Freiwillige für das Sprachtraining. Ende Dezember waren es schließlich sogar 150 Ehrenamtliche. Aufgrund der Vielzahl an freiwilligen SprachtrainerInnen habe ich erkannt, dass ein Fortbildungsprogramm als Unterstützung notwendig ist und organisierte deshalb Schulungsabende. Ganz viel Hilfe habe ich in dieser Zeit von ExpertInnen zur Integrationsthematik bekommen, die sich bereit erklärt haben, die Schulungen zu gestalten. Auch ein Verlag hat geholfen, indem er Unterlagen für die Deutschtrainings zur Verfügung gestellt hat. Damals war ein wahnsinnig starker Zusammenhalt zu spüren und jeder half mit, um das Sprachtraining im Freiwilligennetz aufbauen zu können. Es hat mich sehr beeindruckt, was möglich wird, wenn die Menschen zusammenarbeiten. Ganz besonders erfreulich ist, dass viele Freiwillige von damals auch heute noch aktiv sind.

FWZ: Wie sieht das Sprachtraining im Freiwilligennetz heute aus?  

Brigitte Leister: Derzeit können wir Deutschtrainings für 420 AsylwerberInnen und MigrantInnen im gesamten Bundesland Salzburg anbieten. Mittlerweile gibt es drei Koordinatorinnen, die die SprachtrainerInnen bei ihrer Arbeit begleiten. Ich bin für die Gebiete Flachgau und Tennengau zuständig und weite das Sprachtraining auf das Land aus. Es freut mich zu sehen, welche Hilfe in Form von Sprachtrainings für AsylwerberInnen und MigrantInnen bereits existiert und möchte die Freiwilligen bei ihrer Aufgabe unterstützen. Außerdem ist es mir wichtig, bewusst hinzusehen, was die Ehrenamtlichen bereits geschafft haben. Ich denke, auch Wertschätzung für das bereits Geleistete ist eine Form der Unterstützung.

FWZ: Was war die Motivation hinter ihrer Entscheidung für eine Koordinatorinnen-Stelle im Diakoniewerk?

Brigitte Leister: Ein wichtiger Grund war die Arbeit mit Freiwilligen. Ich war einige Jahre in der evangelischen Kirche aktiv und habe auch hier mit zahlreichen Ehrenamtlichen gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, dass viele Dinge ohne Freiwillige nicht geschehen könnten. Deswegen war für mich sofort klar, dass die Arbeit als Freiwilligenkoordinatorin genau das Richtige ist.

FWZ: Gibt es besondere Erlebnisse, die Sie als Freiwilligenkoordinatorin freuen oder gefreut haben?

Brigitte Leister: Ein Highlight ist für mich, dass SprachtrainerInnen, die sich bereits seit 2015 engagieren, in der Zwischenzeit mit ihrer Aufgabe gewachsen sind. Eine Dame fällt mir als Beispiel ein. Sie hat in einem kleinen Flüchtlingsquartier begonnen und betreute danach eine Familie, bis die Familienmitglieder selbstständig wurden und diese Form der Unterstützung nicht mehr benötigten. Mittlerweile hilft sie einer Frauengruppe im Tennengau beim Deutsch lernen. In diesem Fall habe ich die Veränderung durch ihre Tätigkeit besonders deutlich gespürt. Es ist schön zu sehen, wie sie sich aufgrund ihrer Arbeit mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern entwickelt hat. Durch ein ehrenamtliches Engagement gewinnen die SprachtrainerInnen wertvolle Erfahrungen und werden auf den verschiedensten Ebenen bereichert.

FWZ: Haben Sie Wünsche für die Zukunft des Sprachtrainings?

Brigitte Leister: Ich wünsche mir, dass die Menschen das Sprachtraining auch weiterhin unterstützen und sich noch viele Menschen dazu entschließen, AsylwerberInnen und MigrantInnen beim Deutsch lernen zu helfen. Außerdem ist es mir ein Anliegen, dass das Freiwilligenamt im Sozialdienst genauso anerkannt wird wie ehrenamtliche Tätigkeiten in anderen Bereichen der Gesellschaft. Ich denke, die Arbeit im sozialen Bereich ist wichtig und sollte deshalb noch mehr vor den Vorhang geholt werden.

FWZ: Danke für das interessante Interview!

 

Das Interview wurde von Katharina Schönberger, BA, Mitarbeiterin in der Abt. Kommunikation & PR im Diakoniewerk Salzburg geführt

 

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