Freiwillige im Gespräch - Interview mit Brigitte Wellisch-Strauss

Foto/Guido Karp/P41D.com

„Zuhören und Zeit schenken“

Brigitte Wellisch-Strauss ist seit Juli 2015 als Freiwillige im Besuchsdienst des Diakoniewerks aktiv. Zwei bis drei Stunden nimmt sie sich seither pro Woche Zeit, um mit älteren Menschen im Haus für Senioren und im Tageszentrum Aigen zu singen, zu malen oder ihnen vorzulesen. Im Herbst begann die 54-jährige, die als „Personal Shopper für Salzburg“ selbstständig ist, den „Lehrgang für den freiwilligen Besuchsdienst“. Im Interview erklärt sie, warum ihr der Lehrgang nicht nur für den freiwilligen Einsatz hilfreich erscheint.

Warum haben Sie sich entschieden, diesen Kurs zu machen?

Ich bin im Diakoniewerk als freiwillige Besucherin tätig und mir wurde angeboten, diesen Kurs zu machen. Wie ich die Themen gesehen habe, war für mich klar, dass ich den Lehrgang machen möchte. Wenn man im freiwilligen Besuchsdienst beginnt, kommt man ja mit einer großen Portion Idealismus und Lebenserfahrung ins Team. Der Lehrgang bietet ein sehr gutes Rüstzeug für die Praxis.

Welche Themen waren zu Beginn für Sie ausschlaggebend?

Die Einheiten "Begegnung und Gespräch gestalten" und "Damit Begegnung zur Freude wird" waren für mich ausschlaggebend den Lehrgang zu besuchen. Neben den kreativen Prozessen mit den Senioren war der Aspekt des Zeitschenkens für mich vorrangig. Und in der heutigen, manchmal sehr oberflächlichen Zeit sehe ich es als sehr wertvoll und gegenseitig befruchtend, sich als achtsamer Gesprächspartner im Besuchsdienst einbringen zu können.

Wie ist es jetzt am Ende des Lehrgangs? Welche Module haben Ihnen sozusagen am meisten „gebracht“?

Der Vortrag über „Altern aus entwicklungspsychologischer Sicht“ mit Dr. Aschenbrenner hat mir sehr gut gefallen. Ebenso das Thema „Krise als Chance und Gefahr“. Angenehm fand ich auch die  Gemeinschaft, die sich entwickelt hat. Man kann sich gut in dieser geschlossenen Gruppe austauschen und hilft sich dadurch auch schon mal gegenseitig, weil es ähnliche Erfahrungen gibt. Gleichzeitig kann man sich auf die Verschwiegenheit über die Gruppengespräche verlassen.

Wirkt sich der Lehrgang auch über das freiwillige Engagement hinaus aus?

Ja, ich finde den Kurs sehr persönlichkeitsbildend. Meiner Meinung nach schult diese Erfahrung noch mehr das aktive Zuhören sowie die gesunde Abgrenzung zwischen dem freiwilligen Engagement und dem eigenen Leben. Außerdem war die rechtliche Information über Freiwilligenarbeit für mich interessant. Freiwilligenarbeit ist manchmal eine Gratwanderung, zum Beispiel wenn man einen Ausflug mit jemandem machen will. Dass das abgesichert sein muss und was alles dahintersteckt, fand ich sehr wichtig.

Was würden Sie sich für den Lehrgang für den freiwilligen Besuchsdienst wünschen?

Im Kurs waren vorwiegend Frauen und ich schätze, das ist dann auch im Besuchsdienst ähnlich. Ich fände es daher schön, wenn mehr Männer den freiwilligen Besuchsdienst und auch den Lehrgang machen würden. Jedem, der zweifelt, ob er den Kurs machen oder sich freiwillig im Besuchsdienst engagieren soll, kann ich das nur empfehlen. Es lohnt sich.

Das Interview mit Frau Wellisch-Strauss wurde im Juni 2016 von Mag.a Elisabeth Braunsdorfer für das Freiwilligenzentrum geführt.

Zurück