Freiwillige im Gespräch: Interview mit Helga und Franz Steger über Helgas "Lesecafé"

Helgas Lesecafé

Interviewerin: Welche freiwillige Tätigkeit üben Sie aus?

Helga Steger: Ich komme einmal in der Woche in das Haus für Senioren im Diakoniewerk Salzburg und versuche mit den BewohnerInnen zuerst ein bisschen ins Gespräch zu kommen. Es ist eine Gruppe, die regelmäßig kommt und dann lese ich aus einem Buch vor. Für die Bücher entscheiden wir uns immer gemeinsam. Im Moment haben wir einige BewohnerInnen in unserer Runde, die sehr musikbegeistert sind und daher haben wir jetzt schon mehrere Bücher über Musiker gelesen.

Interviewerin: Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit im Haus für Senioren gekommen?

Helga Steger: Ich habe bereits vor meiner Pension im Haus für Senioren gearbeitet. Am Anfang meiner Berufstätigkeit im Jahr 2002 haben wir im Rahmen unserer Arbeit noch leichter Zeit dafür gehabt, uns länger zu den BewohnerInnen zu setzen und etwas vorzulesen. Das ist aber zunehmend schwieriger geworden und so habe ich bereits in der letzten Zeit meiner Berufstätigkeit begonnen, freiwillig eine wöchentliche Kaffeerunde zu organisieren. In der Zeit habe ich mich dann intensiv mit den BewohnerInnen beschäftigt. Das ist relativ gut angenommen worden, deswegen habe ich das nach meiner Pensionierung auch fortgesetzt.

Interviewerin: Was nehmen Sie für sich aus der freiwilligen Arbeit mit?

Helga Steger: Ich glaube das ganze Leben ist ein Geben und Nehmen. Ich denke, so wie ich den BewohnerInnen vorlese und ich ihnen in Gesprächen etwas gebe, genauso geben sie mir etwas. Ich freue mich jedes Mal, wenn die BewohnerInnen sich an unseren Gesprächen beteiligen und nicht alleine im Zimmer ihre Zeit verbringen.

Interviewerin: Gibt es in Ihrer Zeit als Freiwillige ein Ereignis, das Sie besonders geprägt hat?

Helga Steger: Ja. Eine Dame ist mir besonders in Erinnerung, die sich so gut wie nie an Gruppenaktivitäten beteiligt hat. Diese Dame ist immer wieder zu meinen Leserunden gekommen. Das war sicher etwas, was mich sehr gefreut hat. Außerdem bin ich immer wieder begeistert, wie sich die BewohnerInnen beim Lesecafé einbringen. Sie erzählen oft Geschichten aus ihrem Leben, die gut zu den jeweiligen Büchern passen, und teilen mit der ganzen Gruppe ihr Wissen über die verschiedensten Dinge.

Interviewerin: Wie ist das bei Ihnen Herr Steger? Haben Sie Ihre Frau bei der freiwilligen Arbeit begleitet?

Franz Steger: Ja, ich bin mit meiner Frau ins Haus für Senioren mitgegangen. Ich war schon vor meiner Frau in Pension und bin dann anderweitigen Beschäftigungen nachgegangen, wie zum Beispiel den Haushalt erledigen. Das Mitgehen hat sich dann ergeben und ich habe zu Beginn auch bei den Leserunden zugehört. Nach und nach haben sich daraus Beziehungen ergeben. Ich gehe zum Beispiel mit BewohnerInnen spazieren oder rede mit ihnen. Die freiwillige Arbeit ist einfach sehr wichtig und wird heutzutage auch schon häufig thematisiert. Aber es ist noch nicht sehr verbreitet, dass es eine win-win-Situation ist. Ich war früher als Arzt tätig und habe immer schon mit Menschen zu tun gehabt. Da wäre mein Rückzug in die Pension auch ein Rückzug in ein Vakuum gewesen. Aber das hat sich in der Praxis dann unter anderem durch meine Tätigkeiten im Haus für Senioren Gott sei Dank nicht bestätigt. Ich finde es schon wichtig, dass sich die Leute in der Pension unter anderem für die freiwillige Arbeit engagieren. Dadurch war für mich die Pension nicht ein Austritt von einem alles-fordernden System in ein nichts-mehr-bietendes System, sondern ich kann nach wie vor mit Menschen arbeiten.

Interviewerin: Frau Steger, wenn jemand auf Sie zukommen würde, der sich freiwillig engagieren möchte, welche Tipps würden Sie geben?

Helga Steger: Meine Lebensphilosophie ist es, dass man sich im Rahmen seiner Möglichkeiten sozial einbringen soll. Man kann seine Arbeit ja auch jederzeit wieder beenden, wenn es die Umstände erfordern. Ich finde, man sollte es auf jeden Fall einmal probieren. Es wäre bestimmt für einige sehr gut. Ich habe einmal in einem Buch gelesen, wie eine Mutter ihrem Sohn den Rat gegeben hat: „Wenn es dir schlecht geht, dann tu etwas für Andere. Danach geht es dir auch wieder gut.“ Das war ein wirklich guter Rat.

Das Interview mit Helga und Franz Steger wurde im Mai 2016 von Katharina Schönberger geführt.

 

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