FreiwilligenkoordinatorInnen im Gespräch - Bettina Gruber, Hilfswerk

Interview mit Bettina Gruber

„Vertraue auf die Potentiale der Freiwilligen“

Frau Gruber, es freut mich, dass Sie unseren LeserInnen in diesem Gespräch von Ihren Erfahrungen mit der Koordinierung von Freiwilligen im Hilfswerk Nachbarschafts.Treff STADTWERK in der Stadt Salzburg erzählen werden. Sagen Sie uns bitte vorab ein paar Stichworte zu Ihrer Person? Kommen Sie aus Salzburg?

Ja, ich bin Stadt-Salzburgerin, habe aber auch fünf Jahre in der Türkei gelebt. Da hatte ich die Möglichkeit, einen internationalen Kindergarten zu gründen, in dem Deutsch, Englisch und Türkisch gesprochen wurde. Diese Zeit hat mich sicher geprägt und so bin ich seit fünfzehn Jahren nebenberuflich im interkulturellen Bereich als Referentin und mit interkulturellen Projekten beschäftigt. Im Stadtwerk arbeite ich mittlerweile seit 2013.

Was genau bietet der Hilfswerk Nachbarschafts.Treff STADTWERK an?

Der Nachbarschafts.Treff STADTWERK gilt für die rund 1000 BewohnerInnen des Areals als eine soziale Anlaufstelle für Information und Beratung. Es gibt Angebote aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Kultur, Bildung und vor allem auch Angebote für Kinder.

Was sind aktuelle Schwerpunkte?

Der Kinderbereich ist sehr wichtig, denn es leben hier viele, zum Teil auch sehr große Familien, vor allem junge Familien mit Kleinkindern. Für viele BewohnerInnen ist mein Büro mittlerweile ein erweitertes Wohnzimmer. Da ich sehr präsent bin, ich sitze ja sozusagen gut sichtbar in der Auslage, kennen mich alle. Und der niederschwellige Zugang erleichtert es den BewohnerInnen mit ihren sehr unterschiedlichen Anliegen ins Büro zu kommen. Das STADTWERK hat zudem einen genialen Mix an Einrichtungen, etwa im Gesundheits-, Bildungs- und Beratungsbereich.

Der Nachbarschafts.Treff STATDWERK gilt als eine Anlaufstelle für soziales Engagement. Welche Rolle spielen hier die Freiwilligen? Und wie finden Sie diese?

Viele Freiwillige kamen über das Freiwilligenzentrum zu uns, inzwischen gibt es vermehrt Initiativen von BewohnerInnen, die sich melden, um etwas anzubieten. Sie kommen und bringen ihre Ideen und Wünsche an die Programmgestaltung mit. Das ist eine ganz tolle Entwicklung.

Mich freut es immer, wenn ich in Ihrem Programmheft bekannte Gesichter entdecke, die sich nach wie vor als Freiwillige engagieren. Ist es so, dass neue Veranstaltungen auch durch spezielle Angebote von Freiwilligen kommen? Und dass es Ihnen sehr gut gelingt, die Potentiale der Freiwilligen gezielt zu nutzen, um Neues anbieten zu können?

Auf alle Fälle ist das der Ansatz. Die Freiwilligen spielen eine zentrale Rolle für das Veranstaltungsprogramm. Das ist das Schöne an meiner Arbeit, dass ich aus den Ressourcen der Freiwilligen laufend Neues anbieten kann. Aktuell neu ist zum Beispiel das Aquarell Malen, die Schreibstube für kreatives Schreiben oder das Angebot eines Pensionisten, das sich PC-Troubleshooting nennt. Wir bieten dafür schöne Räume mit guter Infrastruktur an. Die zeitliche Flexibilität spielt sicher auch eine Rolle, es ist möglich, Vormittags-, Nachmittags- oder Abendtermine festzulegen. Die Bewerbung erfolgt dann durch mich und natürlich auch die Begleitung. Ich fotografiere gerne und kann dann die Fotos von den Veranstaltungen gemeinsam mit einigen Berichten im Programmheft verwenden, das quartalsmäßig herauskommt. Mir gefällt das Potpourri der Veranstaltungen, das vom Lern.Treff bis zur Kinder.Disco, über Yoga bis zu Reisevorträgen reicht. Die Kleidertauschparty hat sich zu einem Hit entwickelt, da hat die Mundpropaganda sicher viel dazu beigetragen.

Gibt es auch eigene Treffen für die Freiwilligen?

Ja, es gibt eine Faschingsparty, eine Sommerparty, ein Treffen vor Weihnachten, 2016 war das ein Christmas Brunch und heuer ist ein Ausflug nach München geplant. Was mich erstaunt, ist, dass alle Altersgruppen daran Spaß haben, also, das sind Freiwillige von 17 bis 78 Jahren! Spezielle Austauschrunden sind vor allem dann wichtig, wenn es Themen gibt, die gemeinsam besprochen werden müssen. Nicht zuletzt aber nehmen ja Freiwillige auch an Veranstaltungen, die sie selbst interessieren, teil und so sieht man sich häufig und da entsteht ein guter Austausch, bei dem auch neue Ideen geboren werden können.

Gibt es eine funktionierende Nachbarschaftshilfe?

Ja, im Areal funktioniert die Nachbarschaftshilfe immer besser, weil sich die Leute inzwischen besser kennen, da gibt es eine gute Entwicklung.

Wo sehen Sie das freiwillige Engagement im Nachbarschafts.Treff STADTWERK in fünf Jahren?

Dass sich eine Vielzahl, also noch mehr an BewohnerInnen, im Hilfswerk engagieren. Für mich selbst ist das mein bisher spannendster Job, das Stadtwerk bietet durch die Vielfalt der Menschen, sowohl was das Alter wie die Nationalitäten betrifft, ein Stück weit Leben pur!

Zuletzt noch eine Frage, Sie haben am Lehrgang für FreiwilligenkoordinatorInnen teilgenommen und nehmen auch an den aktuellen Fortbildungen des Freiwilligenzentrums teil, ist Ihnen hier die Mitbestimmung bei der Auswahl der Themen wichtig? Und wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit FreiwilligenkoordinatorInnen aus anderen Organisationen?

Mir gefällt die Möglichkeit, hier Themen einzubringen. So hätte ich zum Beispiel den Wunsch nach moderierten Austauschrunden mit FreiwilligenkoordinatorInnen, ich freue mich immer über Gelegenheiten dazu.

Danke für diese Anregung und für das interessante Gespräch!

 

Das Interview mit Bettina Gruber wurde im Januar 2017 von Ingrid Ebner geführt.

 

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