FreiwilligenkoordinatorInnen im Gespräch - Mag.a Barbara Freiszmuth, GenerationenLernen

Die Kunst des Matching

Frau Freiszmuth, es freut mich, dass Sie uns in diesem Interview etwas über die Kunst des Matching erzählen werden. Sie arbeiten bei der Salzburger Einstieg - Bildung Beratung Qualifizierung GmbH und sind die Freiwilligenkoordinatorin für das GenerationenLernen,  was genau steht hinter diesem Angebot?

Das ehrenamtliche Lern-Mentoring will Kinder und junge Menschen mit Zuwanderungshintergrund, die einen erhöhten Bedarf an Lernhilfe haben, unterstützen. GenerationenLernen besteht mittlerweile seit über zehn Jahren. Es bietet diese Lernbegleitung für Kinder ab sechs Jahren, für Jugendliche und für junge Erwachsene bis 21 Jahren an. Unsere Standorte sind in der Stadt Salzburg, in Grödig und in Hallein. Die freiwilligen Mentorinnen und Mentoren treffen sich mit ihren Mentees, so nennen wir die Schülerinnen und Schüler, einmal pro Woche zum Lernen.

Sie sind sicher mit vielen Einrichtungen gut vernetzt, oder?

Ja, auf alle Fälle. Vernetzung spielt eine große Rolle, wir haben viele Kooperationspartner, nicht zuletzt auch deshalb, weil wir öffentliche Räume für die Lerntreffen brauchen. So bin ich in Kontakt mit Schulen, Jugendzentren, sozialen Einrichtungen und Gemeinden.

Wie groß ist der durchschnittliche Zeitaufwand für die Freiwilligen?

Die Treffen werden in der Regel für zwei Stunden pro Woche vereinbart, es gibt aber auch Freiwillige, die mehr Zeit anbieten und sich dann entweder öfter mit ihren Mentees treffen und auch einige, die mehrere Mentees zu unterschiedlichen Zeiten  begleiten.

Aus dem Namen GenerationenLernen lässt sich schließen, dass sich hier vorwiegend Seniorinnen und Senioren engagieren, ist das durchgehend so?

Die größte Gruppe sind tatsächlich Freiwillige in der nachberuflichen Phase, es melden sich aber auch junge Leute, meist sind das Studierende.

Wer nicht mehr berufstätig ist, kann oft auch mehr Zeit anbieten, so zum Beispiel Termine am Vormittag für Mentees, die am Nachmittag einen Kurs besuchen. Ebenso sind Termine am früheren Nachmittag  vor allem für Kinder im Volksschulalter  für die Konzentration beim Lernen besser als spätere Termine.
Und ich mache die Erfahrung, dass junge Freiwillige meist nach einem Jahr ihre freiwillige Tätigkeit wieder beenden, während es viele ältere Freiwillige gibt, die ihre Mentees über Jahre hinweg begleiten. Oft höre ich, dass der Kontakt nach Beendigung der Mentorenschaft noch gehalten wird, bei sporadischen Kontakten, sei es durch Telefongespräche, bei denen die Freiwilligen um Rat gefragt werden, sei es, dass Freiwillige zu Festen eingeladen werden. 

Daher sprechen wir ganz gezielt ältere Freiwillige an, sie haben mehr Zeitressourcen, bringen ihre Lebenserfahrung ein, haben die nötige Ruhe und oft eine größere Gelassenheit.

Was ist das Hauptanliegen von GenerationenLernen?

Das Hauptanliegen ist, Kindern und jungen Menschen mit Zuwanderungs- oder Fluchthintergrund eine Chance zu geben, durch Bildung selbständig sein zu können. Dass sie eine gute Chance auf eine Berufsausbildung haben und die Integration gelingt. Langzeitziel  ist für die Kinder und für die jungen Menschen die Möglichkeit an sozialer Teilhabe und der daraus entstehenden Zufriedenheit mit ihrem eigenen Leben und das bringt unserer Gesellschaft natürlich einen Gewinn. Das ist übrigens auch die Sicht vieler MentorInnen und Mentoren, und eine Motivation, sich genau für diese Zielgruppe einzusetzen.

Worin besteht Ihre Rolle als Freiwilligenkoordinatorin?

Wenn um eine Lern-Mentoring angefragt wird, ist es mir wichtig, dass ich sowohl die Mentees und deren Eltern, wie auch die MentorInnen persönlich kennenlerne.

Es gilt, die Erwartungen genau abzuklären, Ziele zu besprechen, den Zeithorizont festzulegen und dann die Regelmäßigkeit der Treffen, Lernort und Zeit zu vereinbaren. Natürlich muss auch Organisatorisches, das die Schriftform braucht, erledigt werden.

Was braucht es für das gelingende Matching, also was ist die Voraussetzung, dass die passenden Mentees jeweils zu den passenden MentorInnen vermittelt werden?

Dafür braucht es eine gute Abklärung der jeweiligen Erwartungen, die in den  Erstgesprächen erfolgt. Das Fachgebiet muss geklärt werden, also für welches Lernfach Hilfe benötigt wird, beziehungsweise, für welche Lernfächer Freiwillige ihre Hilfe anbieten können. Die zeitlichen Ressourcen beider Seiten und nicht zuletzt die Wohnortnähe spielen eine wichtige Rolle. Und der Rest ist Erfahrung und Bauchgefühl!

Es ist wichtig, den Mut zu haben, etwas länger mit einer Vermittlung zu warten, wenn es gerade keine jeweils passenden Partner gibt. Wenn ich die gegenseitigen Erwartungen nicht ernst nehme, gelingen die Vermittlungen ohnehin nicht, wie ich aus Erfahrung weiß. Das Matching gelingt einfach durch das individuelle Zuordnen von Bedürfnissen.

Man kann also von der Kunst des Matching sprechen, die erst eine gute  Lernbegleitung ermöglicht. Wie bleiben Sie in Kontakt?

Für die Freiwilligen gibt es regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch. Zusätzlich bin ich telefonisch oder via E-Mail in Kontakt oder es werden Einzelgespräche vereinbart. Die Freiwilligen haben die Möglichkeit, die Form des Kontakts zu wählen.

Vor den Sommerferien werden die Mentees, ihre Eltern und die MentorInnen gemeinsam zu einem kleinen Fest eingeladen. Ein Highlight sind für mich dann strahlende Gesichter auf beiden Seiten und die Dankbarkeit, die eine tolle Energie bringt. Ich selbst erlebe dann, wieviel wir bewirken können.

Wird die Mentorenschaft beendet, wenn ein Mentee das Alter von 21 Jahren erreicht hat?

Nein, wenn beide Seiten miteinander weiter arbeiten wollen, spricht nichts dagegen, dass die Treffen weiter laufen.

Erzählen Sie uns bitte noch ein Bespiel für eine Mentorenschaft?

Es gibt da so viele nette Bespiele, aber vielleicht erwähne ich folgende Geschichte, die mir eine Mentorin, die schon mehrere Jahre im Einsatz ist, kürzlich erzählt hat. Sie begleitet zwei nepalesische Kinder und wurde von deren Eltern zu einem Segensfest eingeladen. Nach einer alten Tradition wird dabei jeweils der Segen der Großmutter an die Kinder weitergegeben. Diese Einladung war für die Mentorin eine besondere Erfahrung, sie erzählte mir davon und meinte, dass sie diese schöne Tradition nie kennen gelernt hätte, wäre sie nicht Mentorin geworden.

Gibt es derzeit genügend Freiwillige?

Freiwillige werden immer gesucht, im Moment gibt es wieder eine Warteliste für die Schülerinnen und Schüler, die sich eine Lernunterstützung wünschen. 

So wünsche ich Ihnen, dass sich noch viele ambitionierte MentorInnen und Mentoren bei Ihnen melden und dass Ihnen die Kunst des Matching weiterhin so gut gelingt!

Das Gespräch wurde im März 2017 von Ingrid Ebner geführt.

 

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