FreiwilligenkoordinatorInnen im Gespräch - DGKS Michaela Wallmann, Diakoniewerk

Interesse an der Lebenswelt von SeniorInnen

Interview mit DGKS Michaela Wallmann

Bewohnerservice Salzburg Süd, Freiwilligen-Netzwerke Süd

 

Frau Wallmann, es freut mich, dass wir die Reihe FreiwilligenkoordinatorInnen im Gespräch heute mit Ihnen fortsetzen dürfen. Sie sind ja schon sehr lange beim Diakoniewerk Salzburg tätig, wie war Ihr beruflicher Werdegang und seit wann sind Sie Freiwilligenkoordinatorin?

Beruflich bin ich Diplomkrankenschwester und seit zwanzig Jahren beim Diakoniewerk in der Seniorenarbeit tätig. Ich leite das Bewohnerservice Salzburg-Süd und koordiniere das Freiwilligennetzwerk Süd, das mittlerweile seit sechs Jahren besteht. Dieser kostenlose Besuchsdienst von Stadt Salzburg und Diakoniewerk richtet sich an SeniorInnen, die gerne Besuch bekommen, und an Menschen, die einen freiwilligen Besuchsdienst übernehmen möchten.

Mittlerweile gibt es drei Freiwilligen-Netzwerke, Nord, West und Süd, die für die Koordinierung der Besuchsdienste im Privathaushalt zuständig sind. Das Angebot besteht daran, dass Freiwillige regelmäßig, etwa einmal pro Woche, einen alten Menschen zu Hause besuchen. Miteinander  plaudern, vorlesen, spazieren gehen oder zum Beispiel die Begleitung zum Arzt oder zum Einkauf können dabei auf dem Programm stehen.

Worin genau besteht die Aufgabe für Sie als Freiwilligenkoordinatorin?

In erster Linie geht es um das Matching, das heißt, ich besuche die SeniorInnen vorab zu Hause, um sie kennenzulernen und ihnen das Angebot des Besuchsdienstes genauer vorzustellen. Dabei kann ich auch Fragen zu diversen anderen Unterstützungsangeboten für SeniorInnen beantworten. Ja und dann gilt es, die passende oder den passenden Freiwilligen für den Besuchsdienst zu finden.

Woher kommen die Anfragen um einen Besuchsdienst?

Entweder melden sich die SeniorInnen selbst, weil sie durch den Folder oder durch die Medien davon erfahren haben oder Angehörige rufen bei mir an. Mobile Dienste oder Sozialdienste in Krankenhäusern machen ebenfalls auf das Angebot aufmerksam.

Wie kommen Sie zu neuen Freiwilligen?

Neue Freiwillige kommen auf unterschiedlichste Weise zu uns, etwa durch Mundpropaganda, durch Berichte in den Medien, auch über die sogenannten neuen Medien, über das Freiwilligenzentrum und einige auch über die ÖH-Börse, die Börse der Österreichischen Hochschülerschaft.

Wie ist dann der weitere Ablauf?

Mir ist es, wie gesagt, wichtig, einerseits die Seniorinnen und Senioren in ihrem Wohnumfeld zu erleben und ebenso in einem Erstgespräch die Freiwilligen kennenzulernen. Und ich bin beim Erstbesuch dann immer dabei. Meist wird ein fixer Wochentag und eine bestimmte Zeit für die regelmäßigen Besuche vereinbart, die Zeit kann aber natürlich auch flexibel vereinbart werden.

Welche Kompetenzen sollen Freiwillige für diese Tätigkeit mitbringen? Und worauf ist zu achten?

Empathie und psychische Belastbarkeit stehen da sicher an erster Stelle, Geduld und Offenheit sind wichtig. Freude an der Begegnung mit betagten Menschen und einfach das Interesse an ihrer Lebenswelt sind eine wichtige Voraussetzung, wenn Freiwillige sich dafür entscheiden, einen Besuchsdienst zu übernehmen.

Ihre Rolle als Freiwilligenkoordinatorin umfasst auch die Begleitung der Freiwilligen und es gibt da ja eine Reihe von weiteren Angeboten. Können Sie uns dazu bitte noch etwas erzählen?

Die Begleitung der Freiwilligen ist mir ein besonderes Anliegen. Bei Fragen und schwierigen Situationen stehen wir KoordinatorInnen den Freiwilligen daher jederzeit zur Verfügung. Bei Bedarf kann auch Supervision in Anspruch genommen werden.

Es gibt die Möglichkeit an Weiterbildungen teilzunehmen, ein Danke-Fest im Dezember und ein Frühlingsfest, zu dem die Freiwilligen und die Seniorinnen jeweils gemeinsam eingeladen sind. Einige nehmen am Lehrgang für den freiwilligen Besuchsdienst teil, der jedes Jahr stattfindet.

Ja, der nächste Lehrgang wird gerade geplant, er startet im September 2017 und dauert bis Juni 2018, er umfasst elf Freitagnachmittage, Interessierte können sich dazu im Freiwilligenzentrum anmelden.

Sie kennen den Seniorenbereich sehr gut, wird es Ihrer Einschätzung nach in Zukunft eher mehr oder eher weniger Bedarf an solchen Besuchsdiensten geben?

Ich bin mir sicher, dass der Bedarf steigen wird. Ein Hauptgrund ist die Tatsache, dass immer mehr betagte Menschen Dank der mobilen Betreuungsangebote zu Hause wohnen bleiben und erst bei höherem Pflegebedarf in ein Seniorenheim gehen. Wenn ältere Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, können Kontakte nicht mehr im gewohnten Ausmaß gepflegt werden und ein Besuch, der zu ihnen nach Hause kommt, ist dann eine gute Möglichkeit für Geselligkeit.

Gibt es auch im Bewohnerservice freiwillige Mitarbeiterinnen?

Ja, das sind derzeit sieben Freiwillige, sie unterstützen uns zum Beispiel beim Mittagstisch, zu dem sich die BewohnerInnen aus dem Stadtteil gerne zwei Mal pro Woche treffen. Einerseits beim Fahrtendienst für SeniorInnen, die nicht mehr so mobil sind, andrerseits bei der Essensausgabe. Es gibt Freiwillige, die Kurse anbieten, derzeit gibt unter anderem einen Kurs für Patchwork. 

Wie würden Sie Ihre eigenen Qualitäten und Stärken, die Sie einbringen, benennen?

Im Prinzip sind das eigentlich die gleichen Kompetenzen, die Freiwillige einbringen sollen, für mich steht das Interesse an der Lebenswelt von SeniorInnen dabei im Mittelpunkt. Das Interesse an den Menschen würde ich ebenfalls noch nennen, ich freue mich immer, wenn sich neue Freiwillige bei mir melden, seien das junge Leute oder ältere. Flexibilität ist für meine Arbeit wichtig, ich versuche, offen zu sein und auf mein Fingerspitzengefühl zu vertrauen, dass ich einschätzen kann, was jeweils möglich ist.

Könnten Sie uns ein Beispiel für eine besonders gelungene Vermittlung nennen?

Da gibt es natürlich einige, eine Freiwillige fällt mir ein, die jetzt nach einer Pause wieder einen neuen Besuchsdienst starten wird. Sie übernahm den ersten Besuchsdienst nach ihrer Pensionierung und ich machte sie mit einer Seniorin bekannt, die über 90 Jahre alt und vielseitig interessiert war, in ihrer Mobilität aber sehr eingeschränkt. Mithilfe der Freiwilligen war es der Dame dann möglich, zum Beispiel Museumsbesuche zu machen. Die Fahrt übernahm jeweils der Samariterbund und die Unterstützung im Museum die Freiwillige.Die betagte Dame erlebte dadurch, wie sie sagte, wieder ein Stück Freiheit.

Sie haben auch Erfahrung als Freiwilligenkoordinatorin im Flüchtlingsbereich sammeln können. Wie kam es dazu?

Im Herbst 2015 übernahm ich für ein halbes Jahr diese Aufgabe im Flüchtlingsquartier des Diakoniewerks in der Münchner Bundesstraße. Ich wurde dafür angefragt, da ich bereits einige AsylwerberInnen für freiwillige Besuchsdienste vermitteln konnte und daher mit einigen wichtigen Themen schon vertraut war. Die Erfahrung mit freiwilligen AsylwerberInnen kam mir bei der Koordinierung der Freiwilligen im Flüchtlingsquartier, die sich in großer Zahl gemeldet hatten, dann tatsächlich zugute.

Welche Erfahrungen haben Sie mit AsylwerberInnen, die sich freiwillig engagieren?

Für Besuchsdienste sind auf alle Fälle sehr gute Deutschkenntnisse eine wichtige Voraussetzung und darauf achte ich besonders, damit die Kontakte gelingen. Und von Seiten der Besuchten braucht es das Interesse und die Offenheit für die Begegnung mit Menschen mit Fluchthintergrund.

Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viele erfolgreiche Vermittlungen!

 

Der Interview wurde von Ingrid Ebner im Mai 2017 geführt.

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