Freiwillige im Gespräch - Interview mit Thomas Heuer – Projekt „Generation 55+“

Lehrer und "Do it yourself Handwerker"

FWZ: Herr Prof. Heuer, Sie sind zu Beginn dieses Jahres auf das Projekt „Generation 55+ Freiwilligenarbeit in der nachberuflichen Phase“ aufmerksam geworden und es freut mich, dass Sie bereit sind, unseren LeserInnen etwas über Ihre Erfahrungen als Freiwilliger zu erzählen! Sie waren beruflich als Pädagoge tätig, in welchem Bereich haben Sie da gearbeitet?

Thomas Heuer: Ursprünglich war ich Lehrer für Englisch und Sport und zuletzt unterrichtete ich für das Mozarteum am Orff Institut Tanzkomposition und in der Abteilung Schauspiel die körperliche Ausbildung.

Mittlerweile bin ich seit zwei Jahren in Pension, das erste Jahr verbrachte ich im Ausland und ich habe gelernt Rentner zu sein.

FWZ: Was war Ihre Motivation, sich dann für eine freiwillige Tätigkeit zu melden? War das ein spontaner Entschluss oder war das schon ein Teil Ihrer Planungen für die Zeit nach der Pensionierung? Und hatten Sie während Ihrer Berufstätigkeit bereits freiwillige oder ehrenamtliche Aufgaben übernommen?

Thomas Heuer: Nein, ich hatte davor kein Ehrenamt. Das war mehr ein Zufall, mich beschäftigte die große Zahl an Flüchtlingen, die da zu uns gekommen war. Ich entdeckte das Café Lingua in Freilassing, wo es für Flüchtlinge kostenlose Angebote zum Deutsch Lernen durch Freiwillige gibt. Hier gebe ich einmal pro Woche einem Syrer Deutschunterricht.

In Salzburg lernte ich ein Flüchtlingshaus kennen, das vom Samariterbund geführt wird. Ich unterrichte hier 14-tägig gemeinsam mit einem zweiten Freiwilligen eine kleine Gruppe.

In diesem Haus lag ein Flyer zum Projekt „Generation 55+“ auf und so meldete ich mich bei Ihnen.

FWZ: Sie sind nun seit Februar auch im Rahmen von „Generation 55+“ im Einsatz. Da Sie angegeben hatten, dass Sie handwerkliche Fähigkeiten miteinbringen würden, Sie hatten sich als „Do-it-yourself-Handwerker“ bezeichnet, wurde ich sofort neugierig, denn handwerkliche Hilfe wird eher selten von Freiwilligen angeboten.

Da es gerade eine offene Anfrage von rwsanderskompetent gab, war das auch mein erster Vorschlag, den ich an Sie weiterleitete. Zur Erklärung für unsere LeserInnen, dieser Verein bietet Menschen mit Beeinträchtigung unter anderem Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz an. Gesucht wurde eine handwerkliche Hilfe für einen Klienten, die Sie dann ganz spontan übernommen haben. In weiterer Folge konnte ich Sie dann an das Betreute Wohnen und Stützpunktwohnen Obermoos, eine neue Einrichtung der Caritas, ebenfalls für kleinere handwerkliche Hilfen für die BewohnerInnen vermitteln.

Thomas Heuer: Hier gibt es immer wieder etwas zu tun, so dass ich nun regelmäßig jeden Mittwochnachmittag dort bin. Ich werke gern und ohne diese Einsätze würde ja meine Bohrmaschine sonst still stehen, da es zu Hause dafür auch nicht immer etwas zu tun gibt.


FWZ: Und Sie sind dann noch in ein Lernhilfe-Projekt für Kinder mit Fluchthintergrund eingestiegen.

Thomas Heuer: Ja, da sind im Moment gerade Sommerferien, aber alles andere läuft weiter.

Das Projekt „Generation 55+“, das für ein Jahr als Pilotprojekt gelaufen ist, und nun übrigens weiterlaufen soll, will ja ganz gezielt Frauen und Männer in der nachberuflichen Phase für ein freiwilliges Engagement gewinnen. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass gerade bei Menschen, die auf die Pension zugehen oder die bereits in Pension sind, die Sorge groß ist, dass sie durch eine Freiwilligentätigkeit dann wieder zu sehr zeitlich gebunden sein könnten.

Wie geht es Ihnen damit?

Thomas Heuer: Für mich ist das kein Thema, ich schätze feste Termine, diese Termine  strukturieren meine Woche und ich weiß ja ganz genau, dass ich jederzeit auch wieder aufhören kann, es gibt da keinen Druck.

Es freut mich, dass meine Ressourcen zum Einsatz kommen. Ich bin sehr gern Lehrer, das wurde mir nach der Pensionierung wieder richtig bewusst. Nach einem Jahr Ferien war das ein starker Impuls, wieder zu unterrichten. Und Handwerkliches macht mir sowieso Spaß.

FWZ: Würden Sie Bekannten oder Freunden im Pensionsalter empfehlen, sich ebenfalls für eine freiwillige Aufgabe zu melden? Was könnte aus Ihrer Sicht dafür oder dagegen sprechen?

Thomas Heuer: Auf jeden Fall! Ich würde das allen empfehlen, auch meine Tochter hat sich freiwillig für Flüchtlinge engagiert. Wenn ich mich für andere einsetze, dann ist das günstig für die eigene Entwicklung und in jedem Fall Gewinn bringend.

FWZ: Ist es für Sie wichtig, für welche Organisation Sie sich engagieren?

Thomas Heuer: Nein, das spielt keine Rolle, ich muss sogar nachdenken, wie die  Vereine, die ich als Freiwilliger bereits kennengelernt habe, genau heißen.

Ich möchte das einbringen, was ich gut kann und ich bin grundsätzlich immer offen für alles, was auf mich zukommt.

FWZ: Herzlichen Dank für das Gespräch und für Ihren Einsatz!

Das Interview wurde im Juli 2017 im FWZ geführt.

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