Freiwillige im Gespräch - Interview mit Frau Dipl.-Ing. Corinna Neureiter

Corinna Neureiter

„Man sieht, dass man an etwas Großem beteiligt ist“

FWZ: Frau Neureiter, Sie sind seit 2012 als Freiwillige beim Samariterbund Salzburg engagiert, der vor allem für Fahrdienste für Kranke, für Menschen mit Behinderung, für Rettungstransporte und ähnliche Dienstleistungen sehr bekannt ist. Wie kam es dazu und was war Ihre Motivation für diese Mitarbeit?

Corinna Neureiter: Auf den Samariterbund Salzburg bin ich aufmerksam geworden, weil mein Freund seinen Zivildienst beim Samariterbund absolviert hat und danach als Freiwilliger eingetreten ist. Dadurch lernte ich die Gruppe der Freiwilligen kennen und schätzen.

Ich habe an der FH Holztechnologie & Holzwirtschaft studiert und bin jetzt beruflich in einer Werbeagentur tätig, daher war eine soziale Tätigkeit für mich ein neues Feld. Und die Möglichkeit, die Ausbildung zur Rettungssanitäterin machen zu können, sah ich als eine Chance, neue Kompetenzen im Sozialbereich zu erlangen. Die Entscheidung, mich dafür zu melden, hatte auch damit zu tun, dass ich die Dienstgruppe, in der ich dann mitarbeiten würde, schon kannte, für mich spielt Zwischenmenschliches und die Gemeinschaft eine große Rolle.

FWZ: Wie viele Freiwillige sind in Ihrer Dienstgruppe und wie oft ist die Gruppe im Einsatz?

Corinna Neureiter: Unsere Gruppe besteht aktuell aus 29 Personen, ich bin eine von fünf Frauen, der Rest sind Männer, viele von ihnen waren davor als Zivildiener beim Samariterbund. Wir sind ein Wochenende im Monat im Einsatz, bei welchem wir durchschnittlich zwölf Freiwillige und mehrere Zivildiener sind. Wir übernehmen Rettungs-, Kranken- und Behindertentransporte in der Stadt Salzburg sowie im Flachgau und im Tennengau. Darüber hinaus machen wir Sanitätsdienste bei Sportveranstaltungen und Events.

FWZ: Was sind die Voraussetzungen für die freiwillige Mitarbeit, welche Aus- und Fortbildungen gibt es dafür?

Corinna Neureiter: Die Rettungssanitäter-Ausbildung, die auch im Rahmen des Zivildienstes gemacht werden kann, besteht aus einem Theoriekurs, der drei Wochen dauert und 100 Stunden umfasst, dazu kommen 160 Praxisstunden. Sie wird mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung abgeschlossen. Ich hatte das Glück, diese Ausbildung während meines Studiums in der vorlesungsfreien Zeit im Sommer absolvieren zu können.

Basis für alle, die sich engagieren möchten, ist ein 16 Stunden Erste Hilfe Kurs. Nach erfolgreicher Absolvierung ist man dann BetriebssanitäterIn. Freiwillige mit dieser Ausbildung übernehmen dann Fahrten, die ihren Kompetenzen entsprechen, wie beispielsweise Kranken- und Behindertentransporte. Entscheidet man sich dazu, dem Samariterbund beizutreten, ist man im ersten halben Jahr Probemitglied, danach wird man Vollmitglied.

Regelmäßige Fortbildungen und Rezertifizierungen sind für RettungssanitäterInnen verpflichtend, zusätzlich gibt es ein vielfältiges Schulungsangebot, an dem Freiwillige je nach Interesse teilnehmen können.

FWZ: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen und mit anderen Freiwilligen? Und was hält Sie in Ihrem Engagement?

Corinna Neureiter: Es gibt viele Formen der Anerkennung, so zum Beispiel die jährliche Abschlussfeier am Jahresbeginn und es gibt Einladungen zu Festen. Intern treffen wir uns in unserer Gruppe ebenfalls bei einem Stammtisch, einmal im Jahr machen wir einen Ausflug oder treffen uns zu einem Essen. Was mich hält? Ich würde sagen, man sieht, dass man an etwas Großem beteiligt ist, keiner fühlt sich gezwungen zur Mitarbeit, jeder hat das für sich selbst bestimmt.

FWZ: Wie stehen Ihre Freunde und Ihre Kolleginnen und Kollegen zu Ihrem Engagement? Gab es da auch schon einmal Kritik?

Corinna Neureiter: Kritische Stimmen gibt es keine, sie stehen alle positiv dazu. Das habe ich übrigens auch in der Zeit erlebt, als ich einmal bei der Notversorgung der Transitflüchtlinge mitgearbeitet hatte, und von vielen gefragt wurde, was sie mir an Sachspenden für die Flüchtlinge mitgeben könnten.

FWZ: Welche Tipps würden Sie Menschen geben, die sich überlegen, eine Freiwilligenarbeit zu starten?

Corinna Neureiter: Es ist wichtig, sich klar zu werden, wo die eigenen Interessen liegen und in welchem Bereich man tätig werden möchte. So spielt es etwa eine Rolle, ob mir ein kontinuierlicher Kontakt zu Menschen wichtig ist, den ich etwa beim regelmäßigen Fahrdienst für Dialysepatienten habe. Ich selbst finde es nett, wenn ich da schon erwartet werde, weil die Patientin oder der Patient weiß, dass ich einmal im Monat im Einsatz bin.

Für die Entscheidung, welche Freiwilligenarbeit ich machen möchte, wäre es gut, sich Schnuppermöglichkeiten zu suchen! Und sich ganz persönlich die Frage zu stellen, wohin ich mich entwickeln möchte und welche Kompetenzen ich erwerben will.

FWZ: Wie sehen Sie die Zukunft der Freiwilligenarbeit: Denken Sie, dass es in unserem Land in Zukunft eher mehr oder eher weniger freiwilliges Engagement geben wird?

Corinna Neureiter: Dazu kann ich nur sagen, dass ich mir wünsche, dass die Bereitschaft, sich mit seinen Möglichkeiten einzubringen, so bleibt! Konkret habe ich das große Engagement bei der Notversorgung der Transitflüchtlinge bemerkt. Es haben sich unzählige Menschen  bereit erklärt, direkt vor Ort zu helfen. Wichtig finde ich dabei die Begeisterung für eine Sache, auch wenn es um ganz einfache und unspektakuläre Aktionen geht. Und dass es immer viele Menschen gibt, die bereit sind, einfach mit anzupacken, wenn Hilfe benötigt wird.

FWZ: Diesem Wunsch schließe ich mich gerne an und bedanke mich für das interessante Gespräch!

Das Interview mit Corinna Neureiter wurde im Mai 2016 von Ingrid Ebner für das Freiwilligenzentrum geführt.

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