Lehrgang für FreiwilligenkoordinatorInnen 2016

Der Lehrgang wurde ab 2007 jährlich in einer Kooperation von Diakoniewerk und Caritas Salzburg durchgeführt und wird seit Januar 2017 über das Freiwilligenzentrum angeboten.

Am Lehrgang 2016, der von Januar bis Juli an acht Ganztagen stattfand, nahmen vierzehn Frauen und Männer teil.

Ein Kernstück der Ausbildung ist die Planung und Durchführung eines Praxisprojekts.

Die Kombination von Theorie und Praxis steht dabei im Mittelpunkt.

Die Theorie wird im Modul „Entwicklung eines Projektauftrags“ vermittelt, mit Inputs, die sowohl TeilnehmerInnen, die bereits viel Erfahrung mit der Durchführung von Projekten haben, neue Anregungen bringen sollen, wie auch für TeilnehmerInnen, die erstmals ein Projekt machen, gedacht sind. Etwa zur Halbzeit des Lehrgangs stellen die TeilnehmerInnen in einem Workshop ihre Projekte, die nun mitten in der Planung sind, vor und erhalten Feedback von der Gruppe. Gegen Ende des Lehrgangs geben die Lehrgangsbegleiterinnen dann nochmals ein Feedback und am letzten Lehrgangstag werden die einzelnen Projekte in einer Kurzpräsentation vorgestellt.

 

Die Vielfalt der Projekte spiegelt die Vielfalt der Organisationen wider, in denen sich die TeilnehmerInnen engagieren. Im Folgenden stellen wir Auszüge aus drei Projektarbeiten vor. Da beim Lehrgang 2016 die FreiwilligenkoordinatorInnen aus dem Flüchtlingsbereich stark vertreten waren, wurden die Beispiele aus diesem Bereich ausgewählt.

 

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Projekte Beispiel 1

„Organisation eines Fußballspiels für Asylwerber und Einheimische“

 

PROJEKTARBEIT

von Theresia Schider

ikult

 

Idee


Seit Winter 2015 engagiere ich mich freiwillig in der Flüchtlingsbetreuung in Lofer und Saalfelden. In dieser Zeit hatte ich die Idee, ein gemeinsames Fußballspiel für Asylwerber und Einheimische aus Lofer, Saalfelden und St. Johann zu organisieren.  Hintergrund dieser Idee ist, dass ich der Meinung bin, dass Sport, in diesem Fall Fußball, nicht vieler Worte bedarf, um ihn gemeinsam ausüben zu können und Menschen verschiedener Kulturen zusammenbringen kann. Auch kann es dazu führen, niederschwellige Vorurteile zwischen den „neuen“ Mitbürgern und den Einheimischen abzubauen.

Ziel


Das Ziel des Projekts ist für mich, den Einheimischen und den Asylwerbern ein gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen. Da die Sprache beim Fußball keine existentielle Rolle spielt, steht der sportliche Aspekt im Vordergrund. Das gemeinsame Fußballspiel soll aber auch allen Beteiligten einfach einen abwechslungsreichen Nachmittag ermöglichen. 

Planung


Ich plane und führe das Projekt gemeinsam mit dem Verein IKULT http://www.ikult.at - https://www.facebook.com/IKULT.salzburg - das Projekt wurde innerhalb des Projektes "Ankommenstour Querbeet" entwickelt.

 

Es ist zu organisieren:

Fußballplatz
Schiedsrichter
Getränke
Preise
Flyer
Sponsoren
Teilnehmerinnen

 

Fußballspieler

 
Es wurde organisiert:

Ort: Fußballplatz in Saalfelden in der Nähe des Bahnhofs

Datum: 24.06.2016

Beginn: 15:00 Uhr

Schiedsrichter: 3 ehemalige Lehrer meiner Hauptschule

Getränke: wurden gesponsert

Preise: 3 Pokale und 3 Fußbälle wurden gesponsert

Flyer: wurden von uns privat gedruckt und in den Schulen und öffentlichen Plätzen ausgehängt

Sponsoren: 2 Geschäfte

TeilnehmerInnen: Asylwerber aus den Flüchtlingshäusern Lofer, Saalfelden und St. Johann/Pongau und Einheimische aus Saalfelden

 

Durchführung

Es waren 6 Teams mit jeweils sechs Spielern und einem Wechselspieler.

Aufgrund des heißen Wetters betrug die Spielzeit jeweils 15 Minuten.

Je nach Spielergebnis wurden Punkte vergeben und daraus ergab sich die Rangliste.

Am Ende des Spieltages erhielten die ersten 3 Teams einen Pokal und die restlichen Teams bekamen einen Fußball.

 

Mein persönlicher Lerngewinn


Die Umsetzung des Projektes war für mich eine Herausforderung, da es ganz etwas Neues für mich war. Es hat mir aber gezeigt, dass ich von Herausforderungen lernen und dadurch wachsen kann.

Das Projekt war ein voller Erfolg und ich werde es in Zukunft weiterführen. Es hat alles reibungslos funktioniert und war eine Bereicherung für uns alle. Für mich war es sehr wichtig, dass sich alle kennenlernen und daraus vielleicht sogar Freundschaften entstehen, da wir alle voneinander lernen, uns gegenseitig helfen und weiterbringen können.

Für die Zukunft und das nächste Projekt nehme ich mit, dass ich/wir mit der Organisation früher beginnen und das Fußballspiel besser bewerben werden. Somit ermöglichen wir sicherlich noch mehr TeilnehmerInnen und ZuseherInnen, Teil dieses Fußballnachmittags zu sein.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass mein Projekt ein voller Erfolg und der Nachmittag ein sehr unterhaltsamer und lustiger war. Das Projekt wird mit Sicherheit wiederholt.

Fußball_Pokal

 

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Projekte Beispiel 2

„Gesunde und gepflegte Zähne für Menschen, die Schutz gefunden haben!“

Auszug aus der

PROJEKTARBEIT

von Sigrid Danklmaier - Haus Frauenschuh Schladming

Zahnmodell

 

Seit Sommer 2015, beherbergen wir - Apartment Haus Frauenschuh - in sechs Wohneinheiten, Familien aus Syrien und Afghanistan, vom 4-monatigen Baby bis zur 80zig-jährigen Oma.

Wir gewähren die Möglichkeit zur Unterbringung und Selbstversorgung der hilfs- und schutzbedürftigen Menschen im Rahmen der österreichischen Grundversorgung. Der erhöhte medizinische Bedarf ergibt sich durch die lange Flucht und die Strapazen der vergangenen Kriegszeit.

Nun ist Zahnprophylaxe bei unseren BewohnerInnen angesagt. Durch die monatelange Flucht war regelmäßige Zahnpflege einfach nicht immer möglich.

Da gesunde Zähne Grundvoraussetzung für die Gesamtgesundheit und das Wohlbefinden eines jeden einzelnen Menschen sind, ist korrekte Zahnhygiene unerlässlich. Um dem Österreichischen Gesundheitssystem spätere Folgen schon im Vorfeld zu ersparen, ist die korrekte Mundhygiene enorm wichtig.

Eines unsere Anliegen ist, dass man schon Kindern das korrekte Zähneputzen mit Spaß an der Sache beibringt, in denen man ihnen auch die Folgeschäden in kindgerechter Sprache verständlich macht.

Anhand von einem Zahnmodell haben die Zahnschutzbeauftragte Frau Hermine K. und ich, unseren BewohnerInnen vorgeführt, wie korrekte Zahnhygiene funktioniert.

An die AsylbewerberInnen wurden Zahnbürsten und Zahnpasta verteilt. Mit Dolmetschern wurde ihnen der korrekte Gebrauch gezeigt, und Fragen beantwortet.

Das Projekt „Zähne“ dauert ein Jahr und wird von den Leuten auch dankbar angenommen. Spezielles Augenmerk wird auf die Zahnputztechnik gelegt, und von den Dolmetschern in die Muttersprache übersetzt. Zum Zahnarzt begleitet werden unsere BewohnerInnen von einem Dolmetscher.

Hinsichtlich eines gesunden Selbstbewusstseins erleichtern somit schöne, gesunde Zähne eine soziale und gesellschaftliche Integration. In unserer Kultur ist der erste Eindruck bei einer späteren Arbeitssuche ausschlaggebend, und daher ist es für uns auch wichtig unseren Schutzsuchenden die Zahnpflege nahezubringen.

 

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Projekte Beispiel 3

Organisation einer Feier anlässlich der bestandenen A1 und A2 Prüfungen von Asylwerbern in Tamsweg für Asylwerber und freiwillige SprachlehrerInnen

Auszug aus der 

PROJEKTARBEIT

von Magdalena Schrempf – Tamsweg

 

„…Vorauszuschicken ist, dass jeder Asylwerber seine eigene Geschichte und so auch seine eigene Bildungsgeschichte hat und deshalb ist es natürlich, dass jeder andere Voraussetzungen hat, wenn er die deutsche Sprache erlernt. Es leben in Tamsweg geflüchtete Menschen mit den verschiedensten Bildungshintergründen – vom Schafhirten bis zum Rechtsanwalt, Asylwerber die Englisch und Asylwerber, die nicht mal ihre eigene Muttersprache gut beherrschen.
Trotz dieser vielen Hintergründe ist es für mich bewundernswert, dass am 12. Marz dreizehn Männer die A1 Prüfung und sieben Männer die A2 Prüfung absolviert und geschafft haben. Da ich der Meinung bin, dass es für die Männer eine große Leistung war, diese Deutsch Prüfung positiv zu absolvieren, habe ich mich dazu entschlossen, für die Männer eine Feier zu organisieren, um ihre Leistung zu würdigen, aber auch, um sie in typisch österreichische Gepflogenheiten einzuführen.

Viele der Asylwerber hätten diese Prüfung nicht geschafft, hätten sie nicht zuzüglich zum VHS-Kurs Sprachunterricht von freiwilligen SprachlehrerInnen bekommen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, auch die SprachlehrerInnen und die VHS-Lehrerin einzuladen. Auch die Freiwilligen müssen gewürdigt werden. Außerdem ist eine solche Feier auch eine gute Möglichkeit den Freiwilligen vor Augen zu führen, was ihr Engagement bewirkt.“

 

Die Feier fand im April 2016 statt und fand bei allen Beteiligten großen Anklang.

Feier Deutschprüfung

Wie es dabei gleich zu einer neuen Wortschöpfung kam, erzählt uns Magdalena Schrempf:

A1- Torte und A2 – Torte

„Nun möchte ich noch einen lustigen Lerngewinn meinerseits anbringen. Die meisten Asylwerber haben mir gesagt, sie wünschen sich eine typisch österreichische Feier. Als ich sie dann gefragt habe, was für sie eine typisch österreichische Feier sei, war die übereinstimmende Antwort der meisten Asylwerber: Eine Feier mit Torte!“

Typisch für ein österreichisches Fest: Die Torte

 

Torte

 

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In einer qualitätsvollen Arbeit mit Freiwilligen liegt ein großer Schatz für die Zukunft!

Ein Rückblick auf den LG für FreiwilligenkoordinatorInnen von Diakoniewerk Salzburg und Caritas Salzburg 2014 - Bericht eines Kursteilnehmers

Im heurigen Jahr konnte wieder ein Kurs für FreiwilligenkoordinatorInnen angeboten werden.

Zehn Frauen und zwei Männer trafen sich von Jänner bis Juni jeweils an einem Freitag gegen Monatsende, um die verschiedenen Aspekte der Begleitung von freiwilligen MitarbeiterInnen näher in den Blick zu nehmen. Das Einsatzspektrum der TeilnehmerInnen reichte von der Wärmestube über die Flüchtlingsarbeit, die Pfarrcaritas, den Behindertenbereich bis hin zur Lernbetreuung und den vielfältigen Feldern der Seniorenbetreuung. Das Diakoniewerk und das Borromäum gaben den KursteilnehmerInnen gastliche Unterkunft, sodass die Pausen nicht nur durch Gespräche, sondern auch durch Obst, Kaffee und nicht zuletzt durch ein bekömmliches Mittagessen bereichert wurden.

Neben den rechtlichen Aspekten der Arbeit (Freiwillige sind keine DienstnehmerInnen!) wurden u. a. auch Themen wie Konfliktmanagement, Anerkennungskultur und Öffentlichkeitsarbeit näher betrachtet und vorgestellt. Dabei legten die Vortragenden auf ein lebendiges Miteinander (Gruppenarbeit – Einzelarbeit – Übungen) großen Wert. So blieb der Bezug zur Praxis ständig präsent!

Alle TeilnehmerInnen waren auch angehalten, im Laufe des Lehrgangs selbst ein Projekt zu entwerfen, durchzuführen und schriftlich zu dokumentieren. Als Beispiele seien genannt: Das Entwerfen eines Folders, das Erstellen eines Newsletters, die Stellenbeschreibung für eine/n Freiwilligenkoordinator/in, ein Begegnungstreffen der Freiwilligen gestalten etc. Besonderer Wert wurde drauf gelegt, sich der eigenen Lernerfahrungen bei der Umsetzung dieses Projekts bewusst zu werden!

Durch diesen Kurs hat die Arbeit mit Freiwilligen vom Pinzgau über Strasswalchen bis Kärnten und selbstverständlich in der Stadt Salzburg neue Impulse bekommen und an Kompetenz gewonnen. Alle waren sich einig: In einer qualitätsvollen Arbeit mit Freiwilligen (die allerdings nicht kostenlos sein kann: FreiwilligenkoordinatorInnen brauchen ausreichend Ressourcen!) liegt ein großer Schatz für die Zukunft!